HEIMAT

von Melitta Huber

 

Was bedütet Heimat für mich? Gar nid so eifach. Es wird viel drüber gschwätzt und sogar gsunge. Wo einer herkunnt kannsch erkenne wenn ers Mul ufmacht. Dä Dialekt verodet ihn oft. Aber au dä Dialekt wird nümi so pflegt wie früener. Sgid jo nüd Schlimmeres wenn Eldere mit ihre Kinder hochdütsch schwätze, obwohl sie doch mit ner Mundart ufgwachse sin.

 

Ich bi z Laufeburg ufgwachse, wohn dört aber scho lang nümi. Isch däs jetzt döt Heimat wo ich jetzt wohn? Ä eigeartigs Gfühl überkunnd mi wenn ichs Laufeburger Lied hör, oder an Fasnacht die alte Sprüchle vo dä Narro Altfischerzunft: Narro, kriedewiees, hät ä Kappe volle Lüs. Fahr ue fahr abe, fahr Laufeburg zu wie danze die Narre wie kleppre die Schueh. Wenn Fasnacht isch und die altehrwürdigie Zunft an mir vorbei lauft dann kann ich mich nümi hebe, ich brüll die Sprüchle und alli um mich umme luege mich blöd ah, au mi Familie, ich glaub däne isch däs peinlich. Ich finds toll, denn nur die Einheimischi kenne die Sprüchle, die eigentlich nur am Fasnachtszischdig in Laufeburg brüllt werde, damit die Kinder Wurscht und Wegge oder ä Orange fange dürfe. Denn überkunnd mich die Erinnerung wie min Vadder mich an dä Hand gnoh hät und isch mid mir zu dä Narrone und hät für mich die Sprüchle gseit, weil ich mich nid traut ha. (Obwohl ers allemannisch nie gschwätzt het, er isch ursprünglich us Ostpreuse kho. Ich glaub er het oft an sieni Heimat denkt, hät aber nie drüber gschwätzt.) Und am Obend hät mer zellt wieviel Wecke, wievl Orange und vor alle Dinge wieviel Würscht me gfange hät. Hoffentlich längts für alli, mir ware jo vier Kinder. Wenns nid für alli glenkt hät hän halt Eltere verzichtet.

 

Und spöter wo ich älter war bin ich in dä Mengi gstande und ha ghofft das ich was fang, nid wid weg devo war dä Latschi us Rhine und hät einem d Plastikgugge unte ufgschnitte und hät einem däs gfangeni Züg klaut. Däs vergesse ich alles nid. Au wenn i hüt ä Wurscht fang und sie dann esse due, wird’s mer ganz blümerant ums Herz. Isch däs däs Heimatgfühl? Oder sins nur liebi Erinnerige?

 

Hüt bin ich zSäckinge daheim, scho paar Johr, so seid mers gell. Isch däs jetzt mi Heimat, mi zweiti Heimat? Oder sogar mini Dritti, weil mir über zehn Johr bi Rhifälde gwohnt hän und uns dört au Wohl gfühlt hen. Mir hän dörthi immer no guete Kontakt und freue uns wenn mir wieder mol dört sin.

 

Min Maa und ich sind scho lang verhürotet, hän uns do was ufbaut. D Kinder sin do ufgwachse sin do in dä Kindergarte und in dSchuel gang. Mir sin au in ä paar Verein. Fühle uns wohl und ich wot nirgends andersch hi. Ich ha eh immer Heimweh wenn ich wo bin, sisch halt so, mer muess dezue stoh. 

 

Mi Oma war Johrgang 1898, isch als jungi Frau usem Schwöbische uf Rhine ko. Immer het sie verzellt sie isch wäge dä Fränkli kho und gseh het sie nüd devo. Sie isch fast nünzig worde und hät immer vo ihrem Saulgau verzellt, isch immer wieder zu Johrgangstreffe gfahre und ich mein so richtig daheim war sie zRhine nie. Ich glaub sie wär wieder zruck in ihri Heimat wenn sie hätti könne. Sie hät ihri Heimat im schwöbische lieber kha wie des badischi. Ich has gern kha wenn sie vo dä Gselz gschwätzt hät oder wen sie ihri Brotsuppe oder ihri schwöbische Dampfnudle gmacht het, slauft mer jetzt no sWasser im Mul zemme.

Mi Muetter war Johrgang 1925 isch nie us Laufeburg use kho, bis uf ä kurzi Zit bi mir in Säckinge, aber däs kann mer nid zelle, sie war do scho recht krank. Aber sie hät nüd anders gseh und deswege hät sie gar ni anderes kennt. Für sie war Rhine ihri Heimet, bi ihre ischs ganz eifach gsih.

 

So und jetzt, was isch Heimat, wo isch Heimat? Des muss jede für sich selber uusefnde. 

 

Ich fühl mich uf jede Fall wohl do wo ich jetzt bin, aber wer weiß was no kund, schwätze mer in ä paar Johr nomol drüber.