Hans Löffler

 

Das Ehrenmitglied des Schwarzwaldvereins Bad Säckingen (Jahrgang 1913) hat über viele Jahre Gedichte verfasst. Sie beschreiben hauptsächlich den Hotzenwald und den Hochrhein im Lauf der Jahreszeiten, aber auch seine frühere Heimat, den Thüringer Wald.

Obwohl zum größten Teil auch überregional veröffentlicht, lagen seine Verse bisher nicht als Sammlung vor, deshalb entstand die Idee zu einem Gedichtband, den der Schwarzwaldverein Bad Säckingen 2002 veröffentlicht hat. Hier findest du eine kleine Auswahl der schönsten Gedichte.

 

 

Der Hochrhein bei Bad Säckingen

 

Hochrhein- hier Deutschland

und Grenze, dort Schweiz;

mehr Nachbarschaftsband

als Trennung sein Reiz.

 

Von Süd und Nord

der Waldhöhen Gruß

zur Stadt und von dort

zur Brücke, zum Fluss.

 

Und hast du hinauf

durch schattige Schlucht

an des Bergbaches Lauf

dir Aussicht gesucht,

dann wirst du da oben

das Hochrheintal loben.

 

Fernsicht vom Hotzenwald

 

Von des Hochrheins waldiger Empore

schweift der Blick hinaus ins Land

übers Tal im zarten Nebelflore

zu des Stromes Silberband.

 

Schweift zum Ufer hin der Eidgenossen

in des Flusses weite Au´

allerwärts vom Jura eingeschlossen,

Berg an Berg im dunklen Blau.

 

Nichts kann mehr jedoch das Aug entzücken,

als – in Schnee und hell besonnt - 

ferner Alpen scharfgezackter Rücken,

stolze Pracht am Horizont.

 

So bist Hotzenwald, o schöner Flecken,

du Empore fern zu schaun.

Laß von die mir Fern- und Heimweh wecken,

bis die Augen nicht mehr schaun.

 

Schwarzwald und Vogesen

 

Hier Schwarzwald, dort Vogesen,

das ist ein prächtig Paar,

und wer schon dort gewesen,

der weiß, das Lob ist wahr.

 

Sie gleichen sich wie Brüder,

mit Berg und Tal und Fluss,

der Rheintal sind sie Hüter

und ihm gilt beider Gruß.

 

Und hier und dort ein Belchen.

Wer höher auf wohl strebt

und mächtiger, und welchem

den Schönheitspreis ihr gebt?

 

Ich wollt ihn nicht vergeben,

bin beiden zugetan,

die rechts und links erheben

vom Rhein sich himmelan.

 

Zugvögel überm Hotzenwald

 

Vogelruf

aus feinen Wolkenschleiern.

Des Hochtals Stille

lauscht den Kranichen.

 

Vogelzug

vom Brutland in den Süden

und wieder nordwärts

mit dem Winterende.

 

Des Herbstes und des Frühlings

abertausendjährige Signale

aus Himmelsweite

an die Abgeschiedenheit

des Fleckchens Erde.

 

Im Herbst des Südschwarzwaldes

 

Oktoberherbst, wie strahlst du mir

zum Wohl mit deinen Farben, 

daß Grübeleien ich verlier,

die Freud´und Lust verdarben.

 

Vergoldet hast du manches Jahr

vorm Winter mir die Tage

und ließt vergessen, was mir war,

Bekümmernis und Plage.

 

Mir tut des Sommers End´nicht weh.

Wie soll´s mich auch verdrießen?

Eh Nebel kommt und erster Schnee,

darf, Herbst, ich dich genießen.

 

Alpensicht im Hotzenwald-November

 

Im Flimmerlicht am Horizont

ein Wall aus Fels und Schroffen.

Vor blauem Himmel steht die Front

bis in die Gründe offen.

 

Und dann blitzt auf des Tags Gestirn

und läßt die Gipfel glühen,

wenn seine Strahlen Schnee und Firn

mit purem Gold besprühen.

 

November ist´s, und so verschönt

uns scheinbar nah das Weite;

der Alpen Häupter all gekrönt

im gleißenden Geschmeide.

 

Wollen vom Schauspiel der Natur

nicht lösen sich die Augen,

dann kann der Hotzenwaldweg nur

mit Sicht nach Süden taugen.

 

Entschwindet auch der Berge Kranz

dem Blick im Tannenschatten,

entzückt den Wanderer sein Glanz

wieder auf Sonnenmatten.

 

Beim Abendrot die letzte Schau

auf Gletscher, Zacken, Zinnen,

bis sie verblassend, schattengrau,

wie´s dunkel wird, zerrinnen.

 

Hotzenwald

 

Als unseres Hochrheins schönste Nachbarschaft,

des Schwarzwalds südliche heitre Seite

ist, lieblich doch voll urwüchsiger Kraft,

der Hotzenwald mir Augenweide.

 

Es neigen seine Berge sich gen Süd,

dem Himmel und der Sonne offen.

Daß man ihn allzeit schütze und behüt´

das ist mein Wunsch und Hoffen.

 

Gar wild romantisch wird er dort verschönt,

wo sich ein Fluß tief eingegraben

und wo den Fels eine Ruine krönt

und Greife ihre Horste haben.

 

Gleichsam in grünen Samt bunt eingestickt

liegt Dorf bei Dorf am Höhenrücken,

und wenn der Winter Schnee und Sonne schickt,

wer säh´das Land nicht mit Entzücken.

 

Wie herrlich ist´s, von seinen Höh´n zum Fluß

und weithin in das Tal zu schauen.

Der Blick vom Hotzenwald er ist der Gruß

nach Süden zu des Hochrheins Auen.

 

Im Fahrenmoos

 

In dunklen Forsten eine stille Lichtung,

des Hotzenwald´s entleg´ne Insel.

Darüber Himmelblau,

bisweilen weißgestreift von hohen Jets.

 

Birkengruppen, sumpfiges Grün,

das klare Wasserläufe speist.

Kein Weg, kein Pfad

weitab vom Lärm der Straßen.

 

Immer tiefverschwieg´ne Einsamkeit

im Jahreszeitenwechsel.

Und ungestörte große Ruhe

im waldumsäumten Moor.

 

Nur bei zu hartem Tritt

vielleicht einmal ein Flügelschlag,

wenn aufgeschreckt ein Auerhahn

im nahen Dickicht scheu entflieht.

 

Hotzenwaldwinter ade!

 

Es schmilzt der Schnee im Hotzenwald,

daß wilde Wasser schäumen.

Winter ade! Der Lenz kommt bald,

ihm mußt die Höhn du räumen.

 

Fort schwimmst du mit der Bächle Lauf

und wirst dabei begreifen:

In Tälern bis zum Rhein bricht auf,

was wachsen will und reifen.

 

Sommersonnenwende

 

Leis´verrauscht ein feiner Regen

früh am Tag der Sonnenwend´

und verdunstet auf den Wegen,

dass man Fernes kaum erkennt.

 

Doch schon will die Sonne siegen

auf der Bahn zum höchsten Stand,

und bald sieht verklärt man liegen

ringsumher das Sommerland.

 

Über Wiesenmahd und Feldern

steht des heißen Mittags Duft.

Selten nur aus nahen Wäldern

kühlt ein Hauch aus frischer Luft.

 

Fahl der Himmel nach dem Norden

eine Stund´vor Mitternacht.

Glücklich müd´bin ich geworden

nach des längsten Tages Pracht.

 

Herbst im Farbenrausch

 

Wenn Berge sich wie Inseln heben

aus Nebeln, die in Tälern schweben,

um morgenklare Wipfel streichen,

ist das vom Herbst ein gutes Zeichen.

 

Läßt Winde durch die Schleier hetzen,

zerreißt sie vor der Sonn´in Fetzen;

entfacht in Wäldern grelle Brände,

setzt Flammen auf die Felsenwände.

 

Läßt seine Feuerwerke zünden

landauf, landab, auf Höhn, in Gründen;

läßt Früchte purpurrot erglühen,

auf Wiesen Herbstzeitlose blühen.

 

Vergoldet über manchen Pfaden

und Wegen des Gezweigs Arkarden

und prankt und prungt in vielen Farben;

Wirft in den Weiher Feuergarben.

 

Will sich aus Farbenrausch verschwenden

und läßt, wie es begann, so enden.

Verhängt sein buntes Schauspiel wieder

und senkt aufs Tal die Nebel nieder.

 

Bergsee

 

Waldesauge, dunkel und verträumt,

rings von Tannen, Eschen, Eichen,

und von aufgetürmten Fels umsäumt,

Bergsee´, Kleinod ohnegleichen.

 

Unergründlich tief scheint deine Flut,

schöner Waldsee, wohlgeborgen

in deiner Wächter treuen Hut,

die auch dein Quell umsorgen.

 

Droben, wo des Waldgebirges Schoß

ihn hervorbringt aus der Erde

zwischen Wurzeln, Farn und weichem Moos,

daß des Eggbergs Zier er werde.

 

Des Hotzenwaldes Gugelturm

 

Als wär´s hoch überm Wald

ein Riesenfichtenwipfel,

erscheint der Turm von fern

dir auf der Gugel Gipfel.

 

Es sind Plattform und Dach,

die alles überragen,

und diese Kanzel wird

vom Stammdreibock getragen.

 

Ein kühner Bau zum Schaun

ins Nahe und ins Weite.

Besteige ihn, dein Lohn

ist eine Augenweide.

 

Du siehst den Wanderweg,

auf dem du hergegangen.

Des Hotzenwaldes Reiz

hält deinen Blick gefangen.

 

Mach frei ihn, lasse ihn

nordwärts zum Schwarzwald schweifen,

gen Süd zum Jura hin,

dem blauen fernen Streifen.

 

Und wenn bei guter Sicht

dahinter sich erheben

die Alpen welche Pracht,

welch glückliches Erleben.

 

Schaust so vom Gugelturm

du auf die Schönheit nieder,

geht dir´s wohl auch wie mir:

Kommst zu ihm immer wieder.

 

Sommertagtraum

 

Der Sommertag malt seinen Himmel blau,

läßt duftig weiße Wolken drüber fliegen

und mich in seinem Südwind sanft und lau

zur Rast im Schatten eines Waldsaums liegen.

 

 

Wind im Ährenfeld

 

Als einst es im Ährenfeld bunt noch geblüht,

da tanzte mit ihm der Wind nach dem Lied:

 

Die Ähren, Klatschmohn und Kornblumen darin

stellt farbig zum Reigen der Sommer dir hin.

Drum, Wind, weh herbei und lock sie zum Tanz,

die blumengeschmückten im goldenen Glanz.

 

Sie sind dir zu willen, schon wogt ihre Flut,

die eben noch still in der Sonne gerüht.

Umfang sie, die Schlanken, wieg hin sie und her.

Solang dir´s gefällt, laß los sie nicht mehr.

 

Denn bald kommt die Zeit, da verlor´n sie dir sind,

und eindam du klagst überm Stoppelfeld hin.

 

Flieh aus dem Tal

 

Flieh aus dem Tal,

wo spät im Jahr

Herbstnebel dich bedrücken.

 

Noch hast du Kraft,

steige bergauf,

bis sich die Nebel lichten.

 

Und weiterhin klar

im Sonnenglanz

die bunten Wälder leuchten.

 

Gib dich der Pracht

des Herbsttags hin,

lass dich von ihm berauschen,

und du wirst dann

den Sommerabschied

unbeschwert vergessen.

 

Vergessen auch,

daß deinem Herbst

bald Wintertage folgen.

 

Jungfräulicher Wintertag

 

Starr und blank der Wiesenweiher.

Frost und Stille tagelang. -

Jeh ein Weh´n, ein feiner Schleier

über tannendunklem Hang.

 

Und dann kommt´s im Wirbeltanze.

Stunden währt der Flockenfall.

Weicher Flaum in mattem Glanze

dämpft vom Dorfe her der Schall.

 

Alles ist in Schlaf versunken

unterm weißen Hermelin,

und die ersten Himmelsfunken

sprüh´n auf kalte Schönheit hin.

 

Als ob mich ein Zauber leite,

ziehe ich zu Ski die Spur

in die blendend helle Weite

unberührter Schneenatur.